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Jetzt startet ein neues Zeitalter für Deutschlands Mobilfunk
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Jetzt startet ein neues Zeitalter für Deutschlands Mobilfunk

Nach der Telekom schaltet auch Vodafone ein gänzlich neues Netz frei, das Menschen und Maschinen fast nahtlos verbinden soll. Der Vorteil der neuen Technik: Sie hat schon zum Start eine Flächenabdeckung von 95 Prozent und reicht bis tief in den Keller.

Die Mobilfunknetze der Anbieter in Deutschland können zwei Geschwindigkeiten: entweder sehr langsam oder eben schnell. Die eine Technologie nennt sich Narrowband IoT, also Schmalband für das Internet der Dinge. Bei der anderen geht es um die vierte und fünfte Mobilfunkgeneration 4G und 5G.

Mit dem Schmalbandnetz lassen sich Sensoren vernetzen, die melden, ob ein Parkplatz frei oder ein Mülleimer voll ist. 4G- und 5G-Netzesind in der Lage, hohe Datenmengen zu übertragen, um beispielsweise von unterwegs Videos zu streamen.

Mit einem neuen Netz wollen Mobilfunker nun die Lücke dazwischen füllen. Bei der Telekom ist das sogenannte LTE-M-Netz (Long Term Evolution for Machines) seit einigen Monaten bundesweit verfügbar. Vodafone hat sein Netz kurz nach Weihnachten freigeschaltet – und Telefónica will im nächsten Jahr folgen. LESEN SIE AUCH

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Der Vorteil der neuen Technik: Sie hat schon zum Start eine Flächenabdeckung von 95 Prozent und mehr in Deutschland und reicht bis tief in die Keller, Tiefgaragen und Fabrikhallen hinein. 

Für die Nutzung von vernetzten Geräten könnte das eine kleine Revolution bedeuten. „Verbraucher müssen etwa eine Waschmaschine künftig nicht mehr kaufen, sondern können sie günstig mieten und pro Waschgang bezahlen“, heißt es beispielsweise bei der Telekom in einem Szenario. Die Daten dafür sendet die Maschine über das neue Netz. 

Bei der Telekom sieht man LTE-M sogar als „zukunftssicheren Nachfolger“ von 2G und 3G. Alle Netzbetreiber in Deutschland haben inzwischen entschieden, die 3G-Netze in Kürze abzuschalten. Auf 2G wollten sie bisher noch nicht verzichten, weil zum einen damit viele Maschinen untereinander vernetzt sind und zum anderen die Flächenabdeckung für Mobilfunkgespräche groß ist. Doch all das kann auch LTE-M leisten.

Senioren-Notrufsysteme als erste Anwendung

Für Vodafone geht es vorerst darum, Dinge mit Menschen zu vernetzen, sodass Maschinen beispielsweise auch Sprachbefehle entgegennehmen können. „Wir bauen das Sprachrohr für Menschen und Maschinen im Internet der Dinge“, sagt Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter WELT. „Menschen und Maschinen können so künftig nicht nur ausschließlich Daten austauschen, sondern auch miteinander telefonieren.“ 

In den vergangenen Wochen hätten Vodafone-Techniker dafür ihre Modernisierungsarbeiten an mehr als 18.000 Mobilfunk-Stationen vorgenommen. Doch am Ende geht es vor allem um ein Software-Update, denn LTE-M nutzt das bestehende 4G-Netz mit.

Schon in der Vergangenheit haben die Mobilfunker eine Vielzahl von Dingen miteinander vernetzt. Zwar ist auch das dafür genutzte Narrowband-IoT-Netz praktisch flächendeckend in Deutschland verfügbar. Doch die Datengeschwindigkeiten darin sind nur sehr gering. Übertragen werden Informationen wie An- und Aus-Zustände oder Temperaturen.

Für Sprachübertragungen reichen die Geschwindigkeiten von weniger als 200 Kilobit pro Sekunde nicht. Zumal es keine Übergabe von einer Mobilfunkzelle in die nächste gibt, wenn sich der Sensor bewegt. Das spart zwar Strom, macht das Narrowband-IoT-Netz aber für viele Anwendungen unbrauchbar. 

Das neue LTE-M-Netz der Mobilfunker schafft den Wechsel von einer Mobilfunkzelle zur nächsten ohne Probleme und hat außerdem deutlich kürzere Antwortzeiten im Netz als das Narrowband-IoT, in dem Sensoren für ein Status-Update schon einmal zehn Sekunden benötigen. Beim LTE-M passiert das in Millisekunden, und die Datenübertragung liegt technisch bei etwa einem Megabit pro Sekunde, beim Upload und beim Download.

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Damit sind Sprachübertragungen ohne Probleme möglich, was Voraussetzung ist, um die 2G- und 3G-Netze abzulösen. Eine der ersten Anwendungen dürften Senioren-Notrufsysteme sein. Selbst bei einem Sturz im Keller könnte noch eine Verbindung zu Helfern hergestellt werden, da das LTE-M-Netz im langwelligen 800-Megahertz-Spektrum funkt, das problemlos durch Mauern bis in die Untergeschosse reicht.

„Wir werden schon bald Smartwatches sehen, die dieses Netz nutzen können“, sagt Matthias Stege, Chef der Dresdner Firma Exelonix. Das Unternehmen baut Lösungen für das Internet der Dinge. Damit dürften sich nicht nur die Batterielaufzeiten der Geräte verlängern, sondern auch ihr Preis verringern. 

Industrie wartet auf Lösungen

Denn die heute verbauten 4G-Module sind stromhungriger und etwa dreimal teurer als entsprechende LTE-M-Technik. Exelonix hat bereits einen Corona-Warn-Buzzer entwickelt, der sich mit dem LTE-M-Netz verbindet. Das Gerät hat die Größe eines Autoschlüssels und erfüllt die Funktion der Corona-Warn-App – nur ohne Smartphone. 

Dabei fügt sich der Buzzer in das Warn-App-System ein. Der Buzzer tauscht – so wie auch die Smartphones – über Bluetooth entsprechende Schlüssel aus, wenn sich Personen über einen bestimmten Zeitraum näher kommen. Gibt eine der Personen bei einem späteren positiven Corona-Test die Meldung in seine App ein, vibriert, leuchtet und klingelt der Buzzer. Der Besitzer sollte sich jetzt testen lassen.

Die Batterie des Buzzers hält dank der LTE-M-Verbindung eine Woche durch. Die Lösung wird derzeit getestet und soll dann unter anderem für ältere Menschen ohne Smartphone und für Schüler angeboten werden. „Wir hoffen, dass wir damit die Schulöffnung im nächsten Jahr unterstützen können“, sagt Exelonix-Chef Stege.

Auch die Industrie wartet auf solcheLösungen. Der Transport von Waren könnte so besser verfolgt werden als bisher. In anderen Ländern ist das neue Netz längst verfügbar. Die USA haben lange vor Europa mit dem Aufbau begonnen. Dort nutzt das Notrufsystem eCall diese Netze, bei dem das Auto nach einem Unfall automatisch eine Funkverbindung zur Notrufzentrale aufbaut.

Was Nutzer in Deutschland für diese Dienstleistung zahlen müssen, steht noch nicht fest. Es sind verschiedene Preismodelle denkbar, wie sich die Unternehmen den Aufbau des LTE-M-Netzes bezahlen lassen – etwa über eine Zweitkarte zum Mobilfunkvertrag.

Inzwischen arbeiten die Netzbetreiber auch an Roaming-Verträgen, sodass die Netze auch grenzüberschreitend genutzt werden können. Die Telekom hat mit Frankreich, Belgien und den Niederlanden bereits entsprechende Vereinbarungen.

Quelle : XING